Sonntag, 9. August 2015

60. - 62. Tag

9 km

Heimfahrt

Es ist jetzt Sonntag, der 9. August, und ich sitze jetzt am Schreibtisch zuhause und schreibe den letzten Bericht meiner wunderschönen Reise.

Die Nacht letzte Nacht im Zelt war doch ruhiger als erwartet. Anscheinend sind die Norweger keine extremen Nachtschwärmer. Nach dem ich in aller Ruhe bei schönem Wetter meine sieben Sachen zusammengepackt hatte, ging es die gleiche Strecke wie am vortag zurück, aber bergab. Da noch genügend Zeit bis zum Einchecken war, bin ich noch etwas durch das Zentrum geradelt bzw. habe das Rad geschoben. Da stehen wunderschöne alte Häuser und Prachtbauten, wie z. B. die Kathedrale, das Parlament, die Uni, das Nationaltheater und natürlich der Königspalast. Oslo ist sicherlich eine Städtereise wert. Leider musste ich nun doch Richtung Schiff, das schon von weitem sichtbar war. Doch bis ich den Eingang zum Kai gefunden hatte, musste ich hin und her fahren. Alle Wegweiser sind für KFZ eingerichtet aber nicht für Radler. Am Eingang, habe mich als Radler vorgedrängelt, zeigte ich meine Buchungsbescheinigung und die junge Dame bedankte sich und gab mir diese zurück. Ich ging dann weiter. Nach einigen Metern kam sie lächelnd hinterher und überreichte mir die Bordkarte. Als Radler konnte ich mich auf einer separaten Spur für Motorräder und Fahrräder anstellen und wir durften dann auch als erste starten. Zunächst ging es langezogen durch das Color Line Gebäude und danach durch das Bug in den Bauch des 224m langen und 35m breiten Schiffes mit 15 Decks. Dann noch eine mobile und steile Auffahrtsrampe in das oberste Fahrzeugdeck, wo ich das Rad festbinden musste. Das Gepäck ließ ich am Rad, denn ich hatte mir nur eine Tasche für die Überfahrt gerichtet. Irgendwo war dann eine Tür zu den übrigen Decks und ich musste mich erst orientieren, um die Rezeption zu finden. Erwartete dort weitere Hinweise zu meiner Kabine. Der junge Mann schaute mich fragend an, ob ich denn nicht eingecheckt hätte? Ich zeigte meine Bordkarte, und ... da stand alles, Kabinen-Nr. und die Zeit, ab wann die Kabine frei ist. Ok, man lernt nie aus. Da ich noch einige Zeit warten musste, ging ich auf Erkundungstur. Wahnsinn, was es so in einem Monstrum in der größe eines mittleren Kreuzfahrtschiffes alles gibt: Badelandschaft, Golfsimulator, Casino, diverse Restaurants, Bars und Kaffees, Shoppingmall und, und ... ! Na ja, meine Welt ist das nicht. Schön war die Abfahrt von Oslo. Da schönes und auch für mich ungewohnt warmes Wetter an diesem Samstag herrschte, waren viele unterschiedliche Boote unterwegs. Auch die hügelige Landschaft ist sehr reizvoll und dicht bebaut mit lauter Wohn- und Wochenendhäusern.
In meiner Kabine hatte ich einen Fernseher, und was kam - eine Übertragung der Endspiele vom Norwegencup, wo ich am Vortag noch life anwesend war.
Geschlafen habe ich in meiner fensterlosen Kabine recht gut. 
Mit Essen für Samstag hatte ich mich schon in Oslo im Supermarkt versorgt, doch am Sonntag nahm ich ein Frühstück in einem Bordrestaurant ein. Dann kam auch schon Kiel. Lange mussten wir auf dem obersten Fahrzeugdeck abfahrtsbereit warten, bis es tatsächlich in die frische Luft von Bord ging. Ja dort wartete mein Sohn David mit dem Auto. Zwei stunden später waren wir in Bremen, wo ich gut mit leckeren Spaghetti Bolognaise a la David verwöhnt wurde. Hatte mir das im Vorfeld gewünscht.
Am Montag Morgen fuhr ich dann mit Davids Auto (David und Alexandra kamen zur Beerdigung am Mittwoch mit dem Zug und fuhren mit dem Auto zurück.) nach Jöhlingen, wo ich gegen 14.00 eintraf. Hilde war noch bei der Arbeit. Meine erste Aktion war zum Telefon zu greifen und bei meiner Friseurin nach einem möglichst baldigen Termin nachzufragen. Hatte Glück (wie auf meiner ganzen Reise), denn zehn Minuten später saß ich dann auch schon unter der Schere, um mich meinem Umfeld mit einer ordentlichen Frisur zu präsentieren.

Damit Endet meine wunderschöne Reise. Ich bin unendlich dankbar, dass ich diese durchführen konnte und wieder wohlbehalten zuhause eingetroffen bin. Die vielen Erlebnisse, Eindrücke, die Begegnungen, das Glück mit gutem Wetter an den Höhepunkten der Tour, werden mir in Erinnerung bleiben. Vergessen sind die 3 Reifenpannen in den ersten 3 Tagen, die paar Regentage in Schweden und der viele Gegenwind, die die Motivation bis zur Grenze sehr stark getestet haben.

Allen, die mir die Daumen gedrückt haben, die mir Grüße aus der Heimat gesendet haben, die mich in irgendeiner Weise unterstützt haben, die mit mir mitgefiebert und den Blog vefolgt haben, herzlichen  Dank.

Detlef

Anmerkung
Sorry, wenn jetzt der letzte Eintrag erst heute erfogt. Durch die Beerdigung meines Onkels und der Mithilfe bei den Vorbereitungen des Umzugs meiner Tochter war meine Zeit restlos ausgefüllt.

Zahlen:
62 Tage Reisedauer
4.069 km mit dem Rad gefahrene Strecke
3.616 km mit dem Rad von Jöhlingen bis zum Norkap
234:11 Stunden reine Fahrzeit mit Rad
26.928 Höhenmeter bergauf gefahren
17,4 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit
87 km durchschnittliche täglich gefahrene Strecke

Freitag, 31. Juli 2015

59. Tag: Ein moderner Zug

74 km (Summe von Moskemes bis Oslo mit Rad)

Ekeberg Camping Oslo

Natürlich bin ich wieder vor dem Wecker aufgewacht, 20 Minuten. Bin gleich raus und habe das Zelt mit einem Tuch abgerieben, damit es schneller trocknet. Es hatte heute Nacht genieselt. Kondenswasser gab es innen kaum, da ein leichter Wind wehte. Kaum war das Zelt weitestgehend getrocknet, fing es wieder an zu nieseln, aber nur kurz. Also nochmals abreiben. Gegen 6:40 bin ich dann los, die 15 km nach Trondheim zum Bahnhof. Auf halber Strecke wieder Nieseln. Hatte keine Regenkleidung an und hatte erwartet, dass es nur kurz dauern würde. Falsch gedacht. Am Bahnhof waren meine Windjacke und die Zivilhosen doch recht feucht. Das Einsteigen in den recht modernen Zug ging relativ gut vonstatten, obwohl ich alles Gepäck vom Rad lösen  und das Rad an einem separaten Wagen abgeben musste. Mit allen 6 Gepäckstücken - zwei umhängen und je 2 in jeder Hand, in Summe 35 kg - bin ich dann in mein Abteil. Als Nachbarin hatte ich eine nette junge Frau, die aber furtbar nach Knoblauch gestunken hat, weshalb ich eine Kommunikation vermied.
Kaum hatte der Zug Fahrt aufgenommen, fing es richtig an zu regnen aber nur für ca. 30 Minuten. Die Strecke führte gleich bergauf und die Berge wurden zunächst dem Schwarzwald ähnlich. Auch einige Bauernhäuser erinnerten mich an die im Schwarzwald. Die Scheune war über der Wohnetage und über eine Rampe bergwärts konnte man direkt in sie einfahren. Nach einiger Zeit bekamen die Berge alpinen Charakter, und auch einige Schneefelder waren zu sehen. Der höchste Bahnhof, den wir anfuhren, lag bei über 1000 m Höhe. Danach ging es gemächlich bergab. Lillehammer und Hamar waren für mich bekannte Orte von unserem Urlaub 1994 mit einem Wohnmobil. Von der Bahn aus konnte man zunächst die Schanzen und danm die Eishalle sehen.
Ruck zuck und der Zug hielt in Oslo. Mit mir stieg noch ein junges Radlerpaar aus St. Gallen aus. Gemeinsam fuhren wir die 4 km zum Campingplatz. Hierzu ging es einige Meter bergauf, was mich bei sommerlicher Hitze von ca 20° zum Schwitzen brachte. Der Platz ist erstaunlich voll, da in unmittelbarer Nachbarschaft ein Fußballfest für Jugendliche stattfindet, der Norwegencup. Habe über 13 Felder gezählt und kurz bei einem Spiel junger Frauen zugeschaut, vermutlich A-Jugend. Das fand ich schon hochkarätig.
Mein Dinner bestand aus meinem vorletzten Outdoorgericht. War ok.
Jetzt richte ich mich für die letzte Nacht im Zelt. Für die Nacht bin ich skeptisch. 50 m vom Zelt führt eine große Straße vorbei. Vom Fest ganz zu schweigen.
Übrigens sticht mein Schiff morgen erst 14.00 in See und nicht wie gestern geschrieben um 10.00.
Bis dann.

Campingplatz in Oslo.

Liks am Berg die berühmte Schanze Holmenkollen

Donnerstag, 30. Juli 2015

58. Tag: Und erstes kommt es anders, und zweitens als man denkt.

Genau! Gestern habe ich noch versucht Fährtickets von Oslo nach Kopenhagen und dann zwei Tage später weiter nach Kiel zu bekommen. Auch mit Hilfe von meinem Sohn David habe ich nur eines bekommen, von Oslo direkt nach Kiel. Heute Morgen hat sich ergeben, dass das so gut war. Habe von meinem Cousin einen Anruf bekommen, dass mein "Radler"-Onkel verstorben ist. Ihm habe ich meine Leidenschaft fürs Rad und Radfahren zu verdanken. Sein Ende war zwar zu erwarten, doch hätte ich ihm gerne noch von meiner Reise erzählt. Jetzt habe ich wenigstens die Möglichkeit bei seiner Beerdigung Abschied zu nehmen, da ich sowieso schon Sonntag in Kiel angekommen wäre. David holt mich dann in Kiel ab. Soweit die aktuelle Situation für die Heimfahrt.

Als ich heute Nacht mal aufgewacht bin, war ich etwas verwirrt. Es war fast dunkel. Das hatte ich schon lange nicht mehr.
Wie geplant, bin ich mit dem Bus nach Trondheim gefahren und wurde dort überrascht. Die Olavsfesttage und Bryggeri Festivalen  waren in vollem Gange. Das Letztere ist Norwegen größtes kulinarisches Fest mit Fokus auf lokalen Produkten und Spezialitäten, was ich genossen habe. Die Olavsfesttage ist Norwegen größtes Kirchen' und Kulturfesival. Am Nidarosdom konnte ich einer musikalischen Darbietung für Kinder erleben.
Die Dombesichtigung mit Führung und die 172 Stufen zum Turm waren Pflicht und Kür gleichzeitig. Hinter dem Dom lockte mich noch ein historischer Markt. Schließlich wollte ich die "Alte Brücke" und die Krisiansten Festung sehen. Auf dem Weg dorthin konnte ich den weltweit einzigartigen Fahrradlift bestaunen. Hätte ich mein Rad dabei gehabt, ich hätte es probiert. Eigentlich funktioniert er ganz einfach. Man bleibt auf dem Rad und den rechten Fuß stellt man auf eine schräge Fläche. Wie wenn man sich abstoßen wollte. Aus dieser Schräge kommt ein Keil auf dem man den Fuß stehen lässt. Da der Keil sich bergwärts bewegt, geht es mit dem Rad aufwärts. Einfach, aber gewusst wie. Tolle Erfindung.
Nach 6 h war es dann an der Zeit zum Camp zurückzufahren. Die Busfahrerin sprach sehr gut Deutsch beim Kauf des Tickets. Auf meine Frage, woher sie so gut Deutsch kann, kam die Antwort: "Als Deutsche sollte man das können." Logisch.
Morgen ist die Nacht wieder sehr früh zu Ende. Um 5.00 klingelt der Wecker. Um 8.23 fährt der Zug, und ich habe ca. 1 h Fahrzeit mit dem Rad. Am Nachmittag bin ich in Oslo. Samstag legt um 10.00 das Schiff ab.
Gute Nacht.